Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora

Schüler der Oberschule Seesen waren in Norhausen, um an der Gedenkfeier teilzunehmen / Heute Präsentation

Christian Desseaux (Mitte) im Kreise der Schülerinnen und Schüler der Oberschule Seesen mit seinem Begleiter Claude Morin (links vorne), Alexander Meuschke (links hinten) und Daniel Beyer (rechts).

Seesen. Am Mittwoch vergangener Woche jährte sich der Tag der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Mittelbau-Dora zum 73. Mal. Anlässlich dieses Datums waren die Teilnehmer des Gedenkstättenprojekts der Oberschule Seesen nach Nordhausen gefahren, um an der Gedenkfeier teilzunehmen und ein Zeitzeugengespräch zu führen. Begleitet wurde sie vom stellvertretenden Schulleiter Daniel Beyer, Alexander Meuschke, der auch die Übersetzung übernahm und von Dr. Thomas Droste, dem Leiter des Projekts. Im Anschluss an die Gedenkfeier nutzten die Schüler die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, um ihm das Projekt vorzustellen.

Das Zeitzeugengespräch führten die Schülerinnen und Schüler mit Christian Desseaux. Christian Desseaux wurde als 17-Jähriger in Paris verhaftet und erlebte das Grauen des Lagers Mittelbau-Dora. So lebte und schuftete er von Februar 1944 bis Juni 1944 im Stollensystem des Kohnstein ohne in der Zeit ein einziges Mal das Tageslicht zu sehen. Er gehörte zu den knapp 30 Prozent der Häftlinge, die die Ausbauphase des Stollensystems überlebten. Nach der Ausbauphase verdankte er sein Überleben unter anderem der Lüge, dass er angab Dreher zu sein. Das verschaffte ihm eine Arbeit in der Fertigung.

In der Auflösungsphase musste er den Todesmarsch nach Ravensbrück mitmachen und wurde in der Nähe dieses Lagers befreit. In der Zeit danach sprach er nicht über das Erlebte. Erst 1965 kam er zum ersten Mal nach Dora zurück. Der nächste Besuch folgte 1995. Danach wandelte sich alles. Seine Aufgabe sieht er, als nunmehr 92-Jähriger darin, den Jugendlichen von seiner Zeit im Lager zu erzählen, damit diese alles dafür tun, dass diese Zeit nicht wiederkommt. In diesem Auftrag hat er bisher in diesem Jahr schon mit mehr als 5000 Personen gesprochen.

Christian Dessaux schilderte eindrücklich seine Gefühle, als er mit den Schülern im Stollensystem war. Die Schülerinnen und Schüler waren sehr betroffen, als er sagte, dass er hier drei Monate gelebt und gearbeitet habe, in unvorstellbarem Dreck, immerwährenden Sprengungen und permanentem Staub, ohne Schutzkleidung, in dünnen Drillichanzügen, den Bissen der Flöhe und Wanzen ungeschützt ausgesetzt.

Er sprach über seine Schwierigkeit bei dem Gefühl, dass es dieses Jahr vielleicht der letzte Besuch sein könnte. Er erklärte, dass es ihm unmöglich sei, dass Krematorium zu besuchen, in dem die Leichen so vieler seiner Kameraden verbrannt wurden.

Im Gespräch hatte Christian Dessaux immer wieder Tränen in den Augen. Dessaux verabschiedete sich mit der Frage, ob man sich im nächsten Jahr wiedersehen würden. Er selbst würde kommen, falls der liebe Gott mitspiele.

Am heutigen Montag lädt die Oberschule Seesen, außerdem zu der Präsentation dieser Gedenkstättenfahrt um 19 Uhr in die Mensa der Schule ein. Jeder, der Interesse an der Präsentation hat, ist herzlich eingeladen.red

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