„Niemand zwingt uns in die Knie!”

Streik bei Asklepios: Ende ist noch lange nicht in Sicht / Zwei Premieren gab es am Mittwoch

Erstmals wurde vor den Asklepios Kliniken Schildautal die Kundgebung abgehalten, inklusive Gruß nach Lindenlohe.

Seesen. Aus allen Richtungen kamen die Beschäftigten angelaufen, gelbe ver.di-Westen wurden verteilt, Plakate und Transparente hervorgeholt. In Seesen kein ungewöhnliches Bild mehr, denn die Beschäftigten der Asklepios-Kliniken Schildautal formierten sich zu ihrem neunten Streik. Im Mai scheiterten die Verhandlungen, der erste Streik folgte im Juli, seitdem regelmäßig wieder. Zwei Neuerung gab es am Mittwoch. Erstmals wurde auf dem Krankenhausgelände die Kundgebung abgehalten, bisher trafen sie sich in der Seesener Innenstadt samt Marsch bis zum Rathaus und hier dann die Redebeiträge. Und noch eine weitere Premiere konnte die Asklepios-Beschäftigen feiern, erstmals wurden zwei Asklepioskliniken zeitgleich bestreikt: Neben Seesen auch die in Lindenlohe/Nordbayern. An einer spontanen Demonstration direkt vor der Klinik nahmen gut 100 Streikende teil, insgesamt beteiligten sich wieder knapp 200 Beschäftigte am Streik.

Fakt ist, der Tarifkonflikt mit den Asklepios Schildautalkliniken geht mit unverminderter Härte weiter. An beiden Standorten fordern die Belegschaften vom Asklepioskonzern Tarifverhandlungen mit dem Ziel der Angleichung der Arbeits- und Entlohnungsbedingungen an den branchenüblichen Tarifvertrag (TVöD).

Ver.di-Verhandlungsführer Jens Havemann: „Nun zeigen zwei Belegschaften gemeinsam dem Asklepioskonzern, dass der Alleineigentümer und das Management die Blockadehaltung aufgeben und endlich an den Verhandlungstisch kommen muss.“ Der private Krankenhauskonzern verweigert jegliche Verhandlungen mit den gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten, trotz hoher Millionengewinne. Ein Umstand, den auch die Bundestagsabgeordnete Pia Zimmermann (Die Linke) anprangerte, sie war extra aus Berlin angereist, um sich mit den Seesenern zu solidarisieren. Statt in Luxushotels solle der Konzern laut Pia Zimmermann lieber sich der öffentlichen Daseinsfürsorge widmen und seine Beschäftigten fair bezahlen. „Respekt, dass ihr unter den Bedingungen so lange schon einen tollen Job macht“, formulierte sie. Zwischendurch war immer mal wieder ein Hupen der vorbeifahrenden Fahrzeuge, darunter auch eines Krankenwagens, zu hören.

Unter dem Applaus der Anwesenden brachte ein Therapeut aus dem Haus schließlich die Stimmung der Streikenden auf den Punkt: „Niemand zwingt uns in die Knie! Wir kämpfen für uns und wir kämpfen für all die Menschen im Haus, die sich nicht wehren können! Wir kämpfen für die Menschlichkeit!”
Auf der spontanen Kundgebung vor der Schildautal-Klinik konnten die Streikenden Klaus Bölling aus dem Konzernbetriebsrat begrüßen. „Ein Krankenhaus der Zukunft kann nur existieren, wenn die Beschäftigen fair entlohnt werden“, betonte er und fügte an: „für Blockadehalter wird sich das rächen, wir stehen voll hinter euch“.

Das bisherige Vergütungsniveau in den Schildautalkliniken führt dazu, dass Asklepios massive Probleme hat, Personal für die Klinik zu halten und neu zu gewinnen. Die Beschäftigten sehen dadurch den Standort massiv gefährdet. „Das Konzernmanagement gefährdet mit seinem unverantwortlichen Sparkurs die Zukunft unserer Schildautalkliniken“, so Krankenpflegehelferin Sandra Grundmann und fügt an: „Wir brauchen dringend Personal! Und mit mehr Personal könnten wir auch wieder weit mehr Patienten behandeln und die Investitionen schnell wieder reinholen. Mit unserem Renommee, mit unserem interdisziplinären Team, mit unseren Leuten sind wir hoch angesehen.Aber Personal halten und gewinnen, geht nur mit guten Arbeitsbedingungen. Deshalb fordern wir den TVöD!“ Martin Kupferschmidt von der ver.di-Streikleitung: „Die Klinik macht seit Jahrzehnten hohe Gewinne – und zwar auf Kosten der Beschäftigten und zu Lasten der Patienten! Deshalb bleibt uns jetzt nur der Streik. Wir organisieren das so, dass wir Asklepios wirtschaftlich treffen, die absolut notwendige Patientenversorgung aber nicht gefährden.“ Asklepios verweigert erneut die Unterschrift unter eine gemeinsame Notdienstvereinbarung und versucht, Beschäftigte mit widerrechtlichen Dienstverpflichtungen, Kündigungsandrohungen und Streikbruchprämien zu verunsichern und vom Streiken abzuhalten.

Asklepios hatte ver.di bereits eine Woche zuvor dieselbe Notdienstbesetzung wie im August vorgeschlagen. Damals haben sie ohne weitere Debatte unterschrieben, jetzt nicht. Im Sinne der Patienten wäre sicher eine gemeinsame Regelung besser. Leider hat das Asklepios-Management aber offensichtlich entschieden, Beschäftigte und Patienten weiter zu verunsichern und zu bedrohen. „Wir haben deshalb den Notdienst selber eingerichtet wie im Juli und August“, betonte Jens Havemann.syg

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