„Quadriga wurde unrechtmäßig von der Züchner-Villa entfernt“

Seesener Ehepaar Steffi und Ralf Brandes hat das Anwesen ersteigert und fordert von der Richard-Borek-Stiftung die Herausgabe der Seesener Quadriga / Hufe bei Demontage abgesägt

Der abgetrennte Originalpferdehuf im Dach der ehemaligen Züchner-Villa.

Seesen. Hochinteressante Neuigkeiten gibt es von der Seesener Quadriga: Am 24. Oktober hatte der Beobachter berichtet, dass die „Seesener Quadriga“ „abmontiert" worden war und inzwischen als „Dauerleihgabe der Richard-Borek-Stiftung" dem Städtischen Museum in Braunschweig zur Verfügung gestellt werden sollte. Steffi und Ralf Brandes, die neuen Eigentümer der ehemaligen Züchner-Villa, haben sich nach Erscheinen dieses Berichts im Beobachter zu Wort gemeldet. Sie teilen mit, dass sich zum Zeitpunkt der Entfernung der Quadriga von der ehemaligen Züchnervilla das gesamte ehemalige Züchneranwesen in der Zwangsversteigerung befunden habe. Nach dem Zwangsversteigerungsgesetz (ZVG) unterlag das Zwangsversteigerungsobjekt einschließlich aller Bestandteile, also sowohl der wesentlichen als auch der nicht wesentlichen Bestandteile, mit Anordnung der Zwangsversteigerung durch das Vollstreckungsgericht der Beschlagnahme.

„Die Quadriga war aufgrund der bauseitig gesetzten Fakten (das jeweilige stählerne Innenskelett der Skulpturen-Gruppe war mit dem beim Bau der Villa eigens für sie hergerichteten Fundament auf dem Dach des Hauses auf Dauer fest verbunden, nämlich einbetoniert) als wesentlicher Bestandteil des Hauses anzusehen, da eine Trennung voneinander ohne Beschädigung des einen oder anderen Teiles nicht mehr möglich war”, teilt Steffi Brandes mit.

Die Beschlagnahmewirkung besteht in einem Verfügungsverbot über sämtliche Bestandteile des Grundstücks mit der Folge, dass jeder Verstoß gegen dieses Verfügungsverbot gegenüber dem die Zwangsversteigerung betreibenden Gläubiger unwirksam ist.

Trotz dieser zwingenden Rechtslage wurde die Quadriga noch während des Laufs der Zwangsversteigerung „in einer Art Nacht- und Nebelaktion“ (so Michael Neufeld aus Bornhausen in seinem Leserbrief vom 13. November 2018 an die Redaktion des „Beobachter“) unter Einsatz von schweren Trenngeräten von ihren einbetonierten Sockelteilen getrennt und vom Grundstück entfernt.

Dabei, so berichtet Familie Brandes, sei die Quadriga in der Weise „abmontiert“ worden, dass die einbetonierten Teile, nämlich Hufe und das tragende Innen-Stahlgerüst, etwa zwei Zentimeter oberhalb des Betons abgesägt wurden und im Beton des Fundaments auf dem Dach der Villa verblieben. Steffi Brandes: „Dadurch wurde der künstlerische Wert des seit über 100 Jahren unbeschädigt gebliebenen Kunstwerks unwiederbringlich zerstört“.

In der Zwangsversteigerung geht mit Erteilung des Zuschlags das Versteigerungsobjekt mit seinen der Beschlagnahme unterliegenden Bestandteilen gemäß § 90 Abs. 2 ZVG auf den Erwerber über.

„Wir haben das Anwesen rechtskräftig ersteigert und damit auch die von der Beschlagnahme durch das Gericht erfasst gewesene Quadriga. Unsere seit Zuschlagserteilung erhobenen Forderung auf Herausgabe der Quadriga ist die Richard Borek Stiftung nicht nachgekommen, vielmehr entgegengetreten mit der vor Gericht aufgestellten nachweislich unwahren Behauptung: Die Quadriga war insbesondere nicht fest mit dem Gebäude verbunden. Die Quadriga war im Wesentlichen auf dem Dach des Gebäudes aufgestellt. Sie war mit einer leicht zu lösenden Schraubverbindung mit dem Dach verbunden.

Zum verbotswidrigen Beschädigen und Entfernen der Quadriga von der ehemaligen Züchnervilla komme somit noch das wahrheitswidrige Vorbringen vor Gericht, das sich uns als vollendeter Prozessbetrug darstellt“.uk