Seesener Oberschüler kämpfen für Streichung der Abschlussprüfung

Ihnen geht es um die berufsbildende und mittlere Reife / Unterschriften gesammelt / Die Zeit drängt

Diese vier hoffen auch im Namen der anderen betroffenen Seesener Abschlussprüflinge auf eine Reaktion des Kulturministers, (von links) Marie König (Klassensprecherin der H9), Svenja Reineke (Klassensprecherin der R10b), Schülersprecher Ismail Giannattasio und Jahrgangssprecher Jan-Lucas. Der Brief mit der Forderung, die Abschlussprüfung zu streichen, ist abgeschickt.

Seesen. Die Zeit drängt, denn von Tag zu Tag rückt der erste Prüfungstermin (11. Mai) für die Neunt- und Zehntklässler der Oberschule Seesen immer näher. Wenn es nach ihnen geht, wollen sie, dass die Abschlussprüfungen für die berufsbildende- und mittlere Reife aufgrund der aktuellen Lage ausfallen. Damit sie Gehör kriegen, haben die Oberschüler 140 Unterschriften gesammelt und obendrein einen Brief an Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne verfasst. Ihr Positionen sind klar.

Unterschrieben hat das Schreiben der Seesener Ismail Giannattasio, der bekanntlich Schülersprecher der Oberschule Seesen, Kreisschülersprecher Goslar und Mitglied des Landesschülerrats ist und obendrein selbst zu den diesjährigen Prüflingen gehört. „Mir geht es nicht nur um mich, sondern vor allem um diejenigen, die Ängste aufgrund der Corona-Krise haben und sich nicht ausreichend vorbereitet fühlen“, betont er im Gespräch mit dem „Beobachter“ noch einmal die Position. Er und die Unterstützer plädieren klar für eine Bildung der Abschlussnoten anhand der bisherigen Durchschnittsnoten. Die laut Ismail ohnehin ja schon einen Großteil der Abschlussnote ausmachen.

Zur Erinnerung: 132 Oberschüler sind es in Seesen in den Abschlussjahrgängen. „Im Endeffekt geht es um die Zukunft und diese Note ist ausschlaggebend für ihre Gestaltung“, betont Svenja Reineke, Klassensprecherin der R10b. Jahrgangssprecher Jan- Lucas Bause erwähnt im Gespräch, dass gut 43 Prozent des Jahrganges entweder im Vorfeld selbst krank waren oder jemanden in ihrem direkten Umfeld. „Es ist ein Wahnsinn die Schulen jetzt schon zu öffnen, denn schlechte Versorgung mit Material, schlechter Arbeits- und Lernatmosphäre zu Hause sind Realität“. Nicht optimal auf die Prüfung vorbereitet sieht sich auch Marie König, Klassensprecherin der H9. Ihrer Meinung nach hat es keinen Sinn fehlenden oder nicht verstanden Stoff in einer zukunftsrelevanten Prüfung abzufragen. „Es ist schwer sich selbst Dinge beizubringen, oder zu üben, ohne die Möglichkeit zu haben, direkt mit einem Lehrer Rücksprache zu halten.

Wie der „Beobachter“ berichtete, wird ab Montag die Schule für die Abschlussklassen wieder geöffnet. Jedoch werden die Klassen in zwei Gruppen unterteilt, um den Abstand von 1,50 Metern in den Zimmern einzuhalten. Alle zwei Tage werden die Schüler vor Ort zum Unterricht sein.
Der Zeitplan ist jedenfalls, Stand jetzt, klar gesteckt: 11. Mai mündliche Englischprüfung gefolgt von den jeweils schriftlichen Prüfungen in Deutsch am 20. Mai, Englisch am 26. Mai und Mathematik am 28. Mai. Im Juni folgt dann noch eine mündliche Prüfung in einem Wahlfach. „Wir verstehen die Sorgen der Schüler, jedoch bildet die Prüfung ja auch einen neun- bis zehnjährigen Schulbesuch ab“, so Konrektor Daniel Beyer auf Anfrage des „Beobachter“. Um den Absolventen die Ängste zu nehmen, wird ab dem kommenden Montag das Hauptaugenmerk auf die Prüfungsfächer Deutsch, Mathematik und Englisch gelegt. Fakt ist, auch die Lehrer der Oberschule Seesen agieren nach der Maßgabe, dass die ausgefallene Zeit nicht zum Nachteil der Schüler wird. Spielräume bei der Benotung wurden vom Ministerium eingeräumt. Zudem erhielten sie strenge Hygienevorgaben.

Der Landesschülerrat macht sich für einen Durchschnittsabschluss mit Recht auf Abschlussprüfungen stark. Wer die Prüfung machen will, tut es. Kultusminister Tonne hat sich bisher nur zum Abitur geäußert, dass wird es geben. Die Seesener sind auf die Antwort gespannt. Montag ist erst einmal Schule.

Der Brief an den Niedersächsische Kultusminister im Wortlaut

Bitte um Entfall der Abschlussprüfungen für die berufsbildende und mittlere Reife

Sehr geehrter Kultusminister Tonne,

Ich als Schülersprecher meiner Schule folge hiermit auf Wunsch der Schüler- und Elternschaft des Abschlussjahrgangs 2019/2020, der Oberschule Seesen, dem Beispiel vieler Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrern zahlreicher deutscher Schulen: Auch wir wenden uns an unser Kultusministerium, um gehört zu werden.

Wir fordern Sie als Kultusminister dazu auf, die Abschlussprüfungen für die berufsbildende- und mittlere Reife entfallen zu lassen. Hierbei orientieren wir uns an der Entscheidung des nordrhein-westfälischen Kultusministeriums, die Abschlussprüfungen in der Sek 1 ausfallen zu lassen.

Als Schülerinnen und Schüler (SuS) und auch im Namen der Eltern sind wir der festen Überzeugung, dass unter den jetzigen Umständen und den vorherrschenden Voraussetzungen, die Abschlussprüfungen der berufsbildenden– und mittleren Reife ausfallen sollten.

Wir sehen, dass der psychische Druck, dem die SuS, durch die Corona-Krise und den daraus resultierenden Konsequenzen, ausgesetzt sind, es ihnen nicht möglich macht, die Prüfungsergebnisse zu erreichen, die sie erreichen könnten.
Außerdem sehen wir, dass die von der Landesregierung und dem Kultusministerium geplanten Maßnahmen nicht für eine angemessene Arbeitsatmosphäre sorgen, sondern für das Gegenteil.

Dies sehen mehr als 150 SuS, als auch Eltern genau so, die sich alle zusammen getan haben, um gegen diese Ungerechtigkeit vorzugehen.

Als Schülersprecher der OBS Seesen, Kreisschülersprecher Goslar und Mitglied des Landesschülerrats bitte ich das Niedersächsische Kultusministerium und den Minister im Angesicht der Corona-Krise, die Abschlussprüfungen in der Sek 1 ausfallen zu lassen.

Ismail Giannattasiosyg

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