Verkehrshelfer kommt zu Fall und zieht sich böse Verletzungen zu

Willi Schöbel empört über das Verhalten zweier Fahrradrowdys im Zuge der Verkehrssicherung an Schulen

Willi Schöbel, hier bei einer Aktion der Verkehrswacht in Engelade, hat sich nach einem Sturz Verletzungen zugezogen. Dass er von einem „Fahrradrowdy” in Mitleidenschaft gezogen wurde, empört ihn.

Seesen. Als Geschäftsführer der Verkehrswacht Seesen-Langelsheim-Lutter übernimmt Willi Schöbel aus Engelade hin und wieder auch die Aufgabe als Verkehrshelfer im Bereich der Jahnschule Seesen, wenn dies erforderlich wird. Was ihm nun widerfahren ist, hat Schöbel sehr nachdenklich gestimmt. In Ausübung dieser Tätigkeit tragen die Lotsen Wetterjacken, Shirts oder Überwurfwesten, alle in neongelb. Außerdem benutzen sie eine Anhaltekelle. So auch am Morgen und Mittag des 16. August im Bereich des Fußgängerüberweges Jahnstraße, der durch eine Mittelinsel unterbrochen ist.

Zur gleichen Zeit wie Willi Schöbel betreute auch Volker Schnellbeck den Fußgängerüberweg auf der Lautenthalerstraße. Diese Überwege sind so angelegt, dass die beiden Lotsen ständig Sichtkontakt zwischeneinander herstellen können.

„Bereits am Morgen hatte mich Volker Schnellbeck auf zwei Radfahrer hingewiesen, die seit Monaten durch eine ständig verkehrswidrige Fahrweise im Bereich der Überwege, provozierendes Verhalten und unqualifizierte Äußerungen besonders negativ auf sich aufmerksam machten”, berichtet Willi Schöbel den Beginn des Tages, der ihn noch heute emotional belastet.
Eben diese beiden Radler fielen ihm am gleichen Tag kurz vor 13 Uhr auf, als sie die Lautenthaler Straße aus Richtung Linnenplatz in Richtung des von ihm zu betreuenden Fußgängerüberweges befuhren. Sie benutzten dabei den links gelegenen Gehweg und fuhren streckenweise auch nebeneinander. Der auf der gegenüberliegenden Straßenseite beschilderte Radweg wurde von ihnen ignoriert.

Als beide den Gehwegrand erreicht hatten, wollten sie offensichtllich den Überweg fahrend benutzen. Nicht zuletzt wegen einiger wartender Autos zur Einmündung Lautenthaler Straße rief Schöbel ihnen über die Straße zu: „Ihr wollt doch sicher absteigen“.

Dies wurde von beiden augenscheinlich überhört, denn sie setzten ihre Fahrt zielstrebig in Schöbels Richtung fort, wobei sie sich durch die stehenden Fahrzeuge manövrierten.
Vor dem Hintergrund, dass auf dem Gehweg an der Jahnschule reger Fußgängerverkehr durch Elternteile mit Kindern herrschte, sah sich Schöbel zu dem Versuch gezwungen, ein Weiterradeln der Beiden zu unterbinden, indem er sich mit der Aufforderung abzusteigen in den Weg stellte. Dies misslang jedoch gründlich, denn der vorausfahrende Radler umkurvte ihn zügig, lächelte ihm zu mit den Worten: „Ist das Ernst?“ und setzte seine Fahrt auf dem belebten Gehweg in Richtung Eisenbahnüberführung fort.

Der zweite Radfahrer war in der Zwischenzeit von seinem Fahrrad gestiegen und überquerte den Überweg zu Fuß, das Fahrrad schiebend. Aufgrund des bisherigen Geschehens und der Vorinformation durch Volker Schnellbeck ging Schöbel davon aus, dass es sich möglicherweise um Schulfreunde handelte und sprach den Radler an. Schöbel eröffnete ihm, dass er zur Sicherheit ein Foto machen werde, worauf der Radler entgegnete: „Wieso, ich bin doch abgestiegen?”. Das Gespräch wurde schlagartig unterbrochen, als der erste Radfahrer Schöbel mit einem Smartphone vom fahrenden Rad her fotografierte. Dann umkurvte er den Lotsen wiederum zügig, um seine Fahrt in Richtung Eisenbahnüberführung auf dem Gehweg fortzusetzen. Hier musste er allerdings eine Engstelle passieren, die ihn zum Anhalten zwang. Im selben Augenblick drehte er sein Fahrrad mit einer schnellen Bewegung in Richtung Gehweg Jahnstraße und fuhr unter sichtlich starkem Antritt los.

„Ob ich noch versucht habe, mich am Fahrrad fest zu halten oder mit dem linken Hosenbein daran hängengeblieben bin, ist mir aufgrund der extrem angespannten Situation nicht mehr in Erinnerung und dem zu Folge nicht nachvollziehbar”, berichtete Schöbel über das, was dann geschah.

Sein Versuch, Gleichgewicht zu halten, schlug fehl, er strauchelte und stürzte unkontrolliert in ganzer Körperlänge auf den Gehweg. Der Radfahrer bog am Ende des Geländers auf die Gegenfahrbahn der Jahnstraße, passierte die Einmündung Lautenthaler Straße nach links und setzte seine Fahrt mit hoher Geschwindigkeit fort, ohne sich um den verletzten Mann zu kümmern.
Durch den Sturz erlitt der 69-jährige Lotse blutende Verletzungen am linken Ellenbogen, der linken Hand und am linken Knie.
Während er noch seine körperliche Konstitution in Augenschein nahm, kam ihm eine Frau mit Begleiterin herbei, die beiden Frauen boten ihre Hilfe an. Schöbel erachtete dies zunächst für nicht notwendig und fuhr mit dem Auto auf direktem Wege zum Polizeikommissariat.

Nachdem dort die ersten Formalien abgewickelt waren, fuhr er nach Hause. Am Nachmittag begab er sich zwecks weiterer Behandlung zu seinem Hausarzt in Seesen. Ein Sprecher der Polizei Seesen bestätigte den Vorfall, Schöbel hatte Anzeige erstattet.

Die Wunden sind inzwischen weitestgehend verheilt, aber die Empörung ist weiterhin groß. Unter anderem hat sich Schöbel auch bei Bürgermeister Erik Homann und Fachbereichsleiter Uwe Zimmermann gemeldet und sie über den Vorfall informiert.

Dass er im Zuge der Verkehrssicherung für Schulkinder durch rücksichtlsloses Verhalten von Jugendlichen beziehungsweise jungen Männern – die Radfahrer sind laut Mitteilung der Polizei im Alter von 22 und 17 Jahren – selbst einmal Schaden nehmen würde, lag wohl außerhalb seiner Vorstellungskraft. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.uk