Wilhelm-Busch-Haus wird saniert

Mittlerweile hat der Eigentümer gewechselt / Baustart soll noch in diesem Jahr sein

Im Sauseschritt wird die Sanierung nicht realisiert werden können. Doch der Förderkreis ist froh, dass das Projekt nun angepackt werden kann, denn die Schäden am Haus sind sichtbar.

Mechtshausen. Nicht nur für die Mitglieder des Förderkreises Wilhelm-Busch-Haus Mechtshausen sind es gute Nachrichten: Zum einen ist die Stadt Seesen seit April diesen Jahres Eigentümer der Immobilie samt Grundstück und Pfarrscheune, zum anderen wird damit die dringend notwendige Sanierung endlich angepackt. „Irgendwann ist die Substanz nicht mehr zu retten und dann haben wir nur noch die Grabstätte, soweit kommt es nun glücklicherweise nicht“, sagt die 1. Vorsitzende des Förderkreises, Hildegard Reinecke, im Gespräch. Und sie zeigt vor Ort auch, warum hier dringend die Bauleute anrücken müssen.

Zur Erinnerung: Im Jahr 1888 wurde das neue Mechtshäuser Pfarrhaus, das heutige Wilhelm-Busch-Haus, errichtet. Im Sommer 1898 zieht Pfarrer Otto Nöldeke ein. Das Haus bietet so viel Platz, dass nicht nur die Pastorenfamilie hier leben kann, sondern auch bald die Mutter Otto Nöldekes und deren Bruder Wilhelm Busch. „Ich möchte Dir mitteilen, daß ich meinen Wohnsitz von Wiedensahl hierher nach Mechtshausen in die Nähe des Harzes verlegt habe“, schrieb dieser am 20. Januar 1899 Otto Bassermann. Zehn Jahre lebte er hier, begraben ist Wilhelm Busch auf dem Mechtshäuser Friedhof.

Bis April gehörte das Haus samt Grundstück der Kirchengemeinde Mechtshausen-Bilderlahe. Im Jahr 2001 zog Mechtshausens letzte Pfarrerin, Birgit Berg, die seit 1995 darin wohnte, aus. Die Kirchengemeinde Mechtshausen-Bilderlahe gehört seit dem 1. Januar 2002 zum Pfarrverband Bornhausen, bekanntlich lebt im diesem Stadtteil das Pfarrerehepaar Wünsche. Seit 2006 bietet das Wilhelm-Busch-Haus mehr als nur die zwei Zimmer seines berühmten Bewohners, seitdem ist es Museum. Innen wurde saniert und in dem Zuge die Fenster erneuert. Doch große Sorge bereitete seit vielen Jahren die Fassade und der Dachstuhl.

Aufgrund seines Alters steht das Wilhelm-Busch-Haus unter Denkmalschutz. Heißt, dass Fachwerk muss erhalten bleiben. Doch die Balken sind morsch, an einigen Stellen an der Nordfassade – wo früher der Konfirmandeneingang war – ist bereits der Bauschaum zu sehen. Im Dachstuhl sieht es auch nicht so viel besser aus, einige Balken wurden schon durch einen zweiten abgestützt, berichtet Hildegard Reinecke vor Ort. Auch der Förderkreis hatte sich Gedanken gemacht, was sie machen könnten. Vielleicht ein Spendenaufruf? Doch angesichts der Schäden, ist die Summe nicht so einfach zu stemmen. Fest stand obendrein, auch die Kirchengemeinde Mechtshausen-Bilderlahe kann das Projekt nicht finanzieren. So kam die Stadt ins Spiel.

Diese hat das gesamte Grundstück inklusive Pfarrscheune zum symbolischen Wert von 1 Euro gekauft. „Die Stadt Seesen hat großes Interesse daran, das kulturhistorisch bedeutsame Gebäude zu erhalten“, unterstreicht Stadtsprecherin Beatrice-Arianne Dziuba auf Anfrage. Zumal es über die sogenannte LEADER-Region Westharz finanzielle Mittel gibt. Doch solch eine Kofinanzierung der Förderung und die baufachliche Begleitung durch die Stadt ist laut der Stadtsprecherin nur möglich, wenn sie Eigentümerin des Gebäudes ist. Das ist wie erwähnt passiert. Und das Projekt wird nun Realität.

Das Wilhelm-Busch-Haus Mechtshausen wird in zwei Bauabschnitte saniert: Zunächst sollen der Dachstuhl und die Nordfassade angepackt werden. „Die Ausschreibungen laufen bereits, in der kommenden Woche werden die Gewerke vergeben, sodass der erste Bauabschnitt noch in diesem Jahr erfolgen kann“, teilt Beatrice-Arianne Dziuba mit. Die Kosten belaufen sich auf rund 150.000 Euro – durch die Beantragung einer Förderung bei der Lokalen Aktionsgruppe der LEADER-Region Westharz seitens der Stadt Seesen wird das Projekt mit einer Summe von 100.000 Euro bezuschusst.

Ein zweiter Bauabschnitt ist in den kommenden Jahren erforderlich und vorgesehen. Dabei werden die Inhalte des Hauses und der entsprechende Umbau der Räume in den Fokus gerückt. Perspektivisch sollen im Haus Kunstworkshops durchgeführt werden, um dies zu beleben, berichtet die 1. Vorsitzende. Einen Traum hat Hildegard Reinecke: Ein Dorfzeichner, der für ein halbes Jahr im Wilhelm-Busch-Haus wohnt und arbeitet. Das ist Zukunftsmusik, viel wichtiger ist die Sanierung, die angepackt wird, um das Kleinod zu erhalten.syg