Darts

Der erste Spieltag war zum Lernen

MTV Seesen spielt nun in der Bundesliga / Zwei deutliche Niederlagen gegen Topteams zum Auftakt

Für die Seesener Darter ging es bisher fast nur aufwärts. Jetzt sind sie ganz oben in der Bundesliga angekommen. Am ersten Spieltag gab es erst einmal Niederlagen gegen zwei der deutschen Topteams in der Dartszene.

Seesen. Es war fast ein Durchmarsch: Die Steel-Dart-Mannschaft des MTV Seesen existiert seit dem Jahr 2012 – und ist nun in der 1. Bundesliga angekommen. Lediglich in der dritthöchsten Liga, der Verbandsliga, hielten sich die Darter drei Jahre lang auf, ansonsten ging es immer direkt eine Klasse höher. Steel Dart ist übrigens die Variante, die auch im Fernsehen häufig zu sehen ist.

Der Aufstieg in diesem Sommer war etwas glücklich. Denn nach dem Abbruch der Saison sollte es eigentlich keine Auf- und Absteiger geben. Doch da der 1. DSC Bochum 1982 seine Mannschaft aus Spielermangel zurückzog, wurde ein Platz frei. „Das ist schon sehr schade, Bochum ist ein renommierter Klub“, sagt dazu Lars Reinecke, Spartenleiter beim MTV und zugleich Mitglied der erfolgreichen Seesener Mannschaft. Als Meister der Niedersachsenliga kam der MTV Seesen in einen Lostopf aller sechs norddeutschen Meister und durfte sich am Ende freuen. Denn die Sehusastädter waren es, die aus diesem Topf als Aufsteiger in die Nordstaffel der Bundesliga gelost wurden.

Der erste Spieltag fand nun kürzlich statt. Für die Seesener Mannschaft ging es nach Berlin. Die beiden Duelle gingen mit 3:9 gegen den deutschen Rekordmeister DC Vegesack Bremen und mit 2:10 gegen die Gastgeber Vikings DC Berlin, ebenfalls schon einmal Deutscher Meister und dreifacher Pokalsieger, verloren. „Das sind schon zwei der Topgegner. Da wussten wir vorher, dass wir nicht viel holen werden“, so Reinecke, der darin aber auch einen Vorteil sieht. Denn so kann sich die Mannschaft erst einmal ohne Erfolgsdruck an die Spielklasse gewöhnen. Auch am zweiten Spieltag, der am 26. September in Bremen stattfindet, wird das noch so sein.

Die wichtigen Gegner, gegen die dann Punkte benötigt werden, um den Klassenerhalt zu schaffen, kommen erst später.
Ein wenig Eingewöhnungszeit ist auch durchaus nötig. Denn in der Bundesliga geht es nun gegen einige der deutschen Topleute. Da sind einige dabei, die bereits auf den großen Bühnen und im Fernsehen aufgetreten sind, wie Martin Schindler, Kevin Münch, Tomas „Shorty“ Seyler oder Andree Welge. Die Seesener spielen dagegen mit derselben Mannschaft, wie zuletzt. „Wir hätten möglicherweise noch den ein oder anderen aus der Region dazubekommen. Aber da die Entscheidung so spät fiel, hatten die alle schon bei ihren Vereinen zugesagt“, erklärt Reinecke. Einer der besten Seesener Werfer ist sogar noch gegangen. Denn auch im Dart wird bei einigen Vereinen inzwischen Geld gezahlt, wenn auch bisher nur sehr geringe Summen und in Seesen noch gar nicht. Aber große Vereine, in Norddeutschland zum Beispiel der VfL Wolfsburg oder Hannover 96, gründen inzwischen auch eigene Dartsparten und haben natürlich teilweise andere Möglichkeiten, als kleine, bereits etablierte Vereine.

Dennoch haben Reinecke und Co. durchaus Hoffnung auf den Klassenerhalt: „Es wird schwer, aber wir schätzen unsere Chancen bei 50 zu 50 ein.“ Wichtig wird sein, die nun kommenden Niederlagen gut zu verdauen. Denn jahrelang gab es (fast) nur Siege. Die Mannschaft ist seit dem Beginn 2012 angewachsen, aber die Gründungsmitglieder sind noch dabei. In den ersten Jahren wurde in Vierer-Teams geworfen. In der Verbandsliga werden dann sechs Spieler benötigt, in der Niedersachsen- und nun der Bundesliga gegen acht Werfer an den Start. Neben dem Bundesligateam hat der MTV Seesen übrigens noch fünf weitere Mannschaften von der Kreisklasse bis zur Bezirksklasse im Rennen und darüberhinaus drei Mannschaften in der E-Dart-Variante. Insgesamt gut 50 aktive Spieler, männlich und weiblich, gibt es in der Sparte.

Das Zuhause der Seesener Darter steht in der Zimmerstraße 22. Für die beiden Heimspieltage am 7. November und im Februar hatten die Verantwortlichen die Idee, die Aula im Schulzentrum zu mieten, um auch ein wenig Öffentlichkeit herzustellen und Publikum anzulocken. Denn insgesamt ist die Besucherzahl selbst in der Bundesliga doch sehr überschaubar. „Der DDV als Dachverband vermarktet sein Premiumprodukt noch nicht so gut. Das steckt alles noch in den Kinderschuhen, da ist einiges an Wachstumspotenzial“, sagt der Spartenleiter. Seesen ist in der Region, nicht nur beim MTV, durchaus als Hochburg zu bezeichnen. Auch in den Ortschaften wie Bornhausen, Herrhausen oder Ildehausen fliegen die Pfeile durch die Luft. Doch die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben auch die Idee mit der Aula erst einmal zunichte gemacht.

Insgesamt neun Mannschaften sind in der Nordstaffel der Bundesliga, zwei davon müssen am Ende absteigen. Zu einem Spieltag kommen immer drei Mannschaften, sodass immer zwei Spiele zu absolvieren sind. Die Saison wird mit Hin- und Rückrunde gespielt und dauert bis in den Mai. Im Schnitt gibt es einen Spieltag pro Monat. Lars Reinecke und seine Mitstreiter hoffen zumindest auf die moralische Unterstützung der Seesener, solange es keine Zuschauer geben kann. Denn so viele Bundesligisten hat die Vorharzstadt schließlich nicht zu bieten.

Das Seesener Bundesligateam: Jan Waldau, Patrick Mock, Danny Multhopp, Florian Striemer, Rene Grützmacher, Marcel Bunzel, Sven Schäning, Vincent Mook und Lars Reinecke.dh